Warwick WP 4-7

In meinem Review über den Warwick Quadruplet schrieb ich gleich einleitend: "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal bei Warwick landen werde...". Ich habe aber nicht geschrieben, warum ich skeptisch war. Der Grund war meine "Bekanntschaft" mit einem Warwick Wamp 400. Diesen habe ich relativ teuer erstanden, war dann ein wenig enttäuscht von der Leistung, die (gefühlt & gehört) weit hinter dem lag, was auf dem Amp stand... Die Krönung war kurze Zeit später ein Totalausfall des Amps.
Der Quadruplet hat mich dann doch ein wenig besänftigt, ich nutze ihn bis heute. ;)

Was mir aber am Wamp gefiel, war der sehr definierte klare Klang und das Bedienkonzept des Amps. Als sich die Gelegenheit bot, günstig einen WP 4-7 zu ergattern, habe ich nicht lange überlegen müssen.

Übersicht

  • Bauform: 19", 2 HE Stahlblechgehäuse
  • Einbautiefe: 265 mm
  • Technik: Transistor
  • Klangregler: Bass, param. Mitten, Höhen, graph. 7-Band EQ
  • Effektwege: 1x seriell Stereo
  • Eingänge: 1x Klinke passiv, 1x Klinke aktiv
  • Ausgänge: Tuner Out, Phones, LineOut (l/r), XLR DI-Out (symm.)
  • Sonstiges: Footswitch, Standby, Chrom. Tuner
  • Gewicht: 4,8 kg

Konzept

Viel ist ja nicht drin, denkt man sich, wenn man einen Blick ins Innere des Preamps wirft. Warum "verschwendet" man eine Höheneinheit, wenn die "Innereien" auch auf eine HE passen würden? Na ja, ein Graphischer Equalizer mit ordentlichem Faderweg ist doch auch mal etwas... ;)
Alles wirkt sauber verdrahtet und wertig verarbeitet. Das Stahlblechgehäuse ist ausreichend stark, der Preamp liegt gewichtsmäßig mit knappen 5 kg vergleichsweise im "Mittelfeld".

Input

 

Für den Anschluss eines Basses stehen getrennte Klinkeneingänge für aktive und passive Bässe zur Verfügung. Zur Anpassung der Eingangsempfindlichkeit und zur korrekten Aussteuerung des Eingangssignals stehen ein Gain-Regler und drei LEDs zur Verfügung: 

CLIP: Das Eingangssignal ist zu hoch eingestellt, der Preamp zerrt...
OK: Das Signal ist perfekt
LOW: Das Signal ist zu niedrig eingestellt.

Mit einer Stelltaste "Linear" kann das Signal ohne Beeinflussung durch den 3-Band EQ / graph. EQ / Presets an die Ausgänge weitergeleitet werden.

Klangregelung

 

Eine erste Möglichkeit zur Klanganpassung bietet der 3-Band Equalizer, welcher neben der Bass- und Höhenregelung auch noch eine parametrische Mittenregelung bietet. Hierbei wird mit MID Freq die Mittenfrequenz zwischen 172 Hz und 2.6 kHz gewählt, die mit MID LEVEL um ±14 dB abgesenkt/angehoben werden kann. Eine äußerst genaue Klangregelung ist bereits mit diesem Equalizer möglich. Zur Verfeinerung kann noch der 7-Band Graphic Equalizer per Schalttaste GRAPH EQ aktiviert werden:

 

 

Mit den sieben Fadern (mit Mittenrasterung) ist eine Absenkung/Anhebung um ±15 dB in den Frequenzbereichen 50 Hz, 160 Hz, 380 Hz, 700 Hz, 2.4 kHz, 5 kHz und 10 kHz möglich. Mit LEVEL können eventuelle Levelsprünge bei Aktivierung des graph. EQ ausgeglichen werden.

Das TURBO BASS Preset betont den Bassbereich zwischen 20 und 40 Hz, während TURBO HIGH den Hochtonbereich zwischen 8 und 20 kHz ein wenig in den Vordergrund rückt.

Mit der Schalttaste DI PRE / POST EQ kann gewählt werden, ob der Abgriff des DI-Outs wahlweise vor (PRE) oder hinter (POST) der Klangregelung inkl. Effektweg liegen soll.

Tuner

 

Wird der Standby des Preamps aktiviert, aktiviert sich gleichzeitig der integrierte chromatische Tuner. Sieben Gelbe und fünf rote LEDs (das geübte Musikerauge erkennt eine Klaviertastatur...;)) zeigen den gespielten Ton an. Die links angeordneten roten LEDs zeigen an, ob der gespielte Ton zu hoch oder zu niedrig ist, mit der grünen OK-LED wird die korrekte Stimmung des Tons angezeigt.
Der Tuner arbeit recht zügig, versagt jedoch auch mal gerne beim tiefen H.

Master

 

Für Nachbarfreundliches zu-Hause-Proben steht ein Kopfhörerausgang zur Verfügung. Jedoch werden mit dem einstecken des Kopfhörers nicht automatisch alle Outputs stumm geschaltet...

Rückseitige Anschlüsse

 

Mit einem Fußschalter kann der graphische Equalizer aktiviert/deaktiviert werden.

LOW CUT aktiviert einen Low-Cut Filter, so dass nur Frequenzen über 200 Hz am Effekt-Send anliegen. Gleichzeitig wird der ansonsten serielle Effektweg parallel geschaltet. Für Stereo-Effekte verfügt der WP4-7 über einen Stereo Effekt-Return und logischerweise auch über einen Stereo Line-Out sowie Stereo DI-Out. Wird jedoch nur der MONO-Out des Line Outs verwendet, wird ein "Summensignal" ausgegeben.

Sound

Wie schon am Anfang erwähnt, mochte ich den klaren Sound des WAmp400. Das dieser zu großen Teilen vom Preamp stammt, beweist der WP4-7. Absoulut rauscharm gibt er sehr klar und deutlich den Charakter des angeschlossenen Basses ohne Verfärbung des Klanges wieder.
Mit beiden verfügbaren Equalizern kann man schnell brauchbare Sound finden. Die enge Abstimmung der Frequenzbänder erlauben jedoch nur Soundänderungen in engen Grenzen. Zum einen schön, denn so sind im Prinzip nur brauchbare Sounds möglich. Bevorzugt jedoch jemand extreme Abstimmungsmöglichkeiten, ist er mit diesem Preamp falsch beraten. Zerrsound sind nur bedingt möglich. Ma erreicht sie durch Übersteuerung des Eingangssignals. Übertreibt man es nicht, klingt es noch ganz harmonisch. Es kann aber auch recht schnell billig klingen.
Sehr gut gefallen mir die weiten Regelwege der Drehpotis. Man muss schon etwas weiter drehen, um Klangveränderungen zu erreichen. Sehr sinnvoll, wenn man Feinabstimmungen vornehmen möchte.
Etwas sehr stark greift das TURBO BASS-Preset ein. Es hebt die Bässe deutlich in den Vordergrund. Für meinen Geschmack etwas zu sehr. Dagegen macht sich TURBO HIGH kaum bemerkbar.

Fazit

Der Warwick WP 4-7 ist ein recht brauchbares Gerät, wenn man nur einen Sound spielt und schnell Soundanpassungen vornehmen möchte. Das kann mit diesem Preamp aufgrund seinen Equalizer-Möglichkeiten sehr gut. Der Grundklang bleibt im Prinzip immer ausgewogen und glasklar.

Dieser Preamp wird nicht mehr hergestellt. Er ist zudem recht selten auf dem Gebrauchtmarkt zu finden. Etwas häufiger ist der "kleinere Bruder", der WP 3-7. Beide Preamps unterscheiden sich nur in minimalen Details. Die Gebrauchtmarktpreise bewegen sich zwischen 120-150 Euro.